ED13 - Aufgabe: Bewirtungsbelege scannen und verarbeiten
Auslöser: Eine Bewirtung aus geschäftlichem Anlass hat stattgefunden; der Bewirtungsbetrieb hat eine Rechnung (Gaststätte) ausgestellt. Die Aufwendungen sollen als Betriebsausgabe geltend gemacht werden — dafür ist der gesetzliche Nachweis zu führen (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG).
Was das Gesetz verlangt
- § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG: 70 % der Aufwendungen sind abziehbar, soweit sie angemessen sind und Höhe und betriebliche Veranlassung nachgewiesen sind. Zum Nachweis sind schriftlich anzugeben: Ort, Tag, Teilnehmer, Anlass der Bewirtung sowie die Höhe der Aufwendungen. Hat die Bewirtung in einer Gaststätte stattgefunden, genügen Angaben zu Anlass und Teilnehmern; die Rechnung ist beizufügen. Zusätzlich sind Bewirtungsaufwendungen einzeln und getrennt aufzuzeichnen (§ 4 Abs. 7 EStG).
- BMF-Schreiben vom 19.11.2025 (IV C 6 - S 2145/00026/005/033, ersetzt 30.6.2021): Der Eigenbeleg darf digital erstellt werden; die Autorisierung erfolgt durch elektronische Unterschrift oder elektronische Genehmigung (keine qualifizierte Signatur nötig). Erforderlich sind zeitnahe Erstellung, Erstellungs- und Signaturzeitpunkt im Dokument, eine eineindeutige Verknüpfung von Beleg und Eigenbeleg (z. B. Verweis/Index) sowie GoBD-Konformität inkl. Verfahrensdokumentation (BMF 28.11.2019).
Die Aufgabe in fünf Schritten
- Scannen — Der Papier-/Gaststättenbeleg wird fotografiert/gescannt und als Ur-Doc (z. B. PDF) im Belegverzeichnis abgelegt.
- OCR-Erfassung — aus dem Beleg wird der interpretierbare Text
(
ocr.txt) ermittelt und mit seiner Qualität/Trust (TrustVector-BitVector, Start0x0001=machine-unverified) dokumentiert. - Belegart erkennen — aus dem OCR-Text wird regelbasiert die Belegart
bestimmt: hier
BUSINESS_MEAL_RECEIPT(Bewirtungsbeleg; erkannt an „Bewirtungsaufwendungen", „Bewirtete Personen", „Anlass der Bewirtung"). - In den Signaturvorgang übernehmen — es wird ein
*.gcsig.md(Signatur-Artefakt, KlasseGCSIG) erzeugt, das den digitalen Eigenbeleg trägt: die gesetzlich geforderten Angaben als eingebettetescontent(Schemabusiness-meal-receipt-1.0), die OCR-Provenienz (ocr), den integrierten Sidecar-Block (source) und den Signatur-Block (signature) mit Facsimile der zeichnenden Person. - Präsentieren und zeichnen — das Artefakt wird
presentedgesetzt, dem Menschen (HITL) zur Zeichnung vorgelegt und nach Freigabeaccepted→signedgesetzt. Der Anker für die Signatur ist der SHA-256 des Ur-Docs.
Das Artefakt: Beleg und Signatur in einem Dokument
Für Belege, die in den Signaturvorgang übernommen werden, ist kein separates
.v7g.md nötig: das *.gcsig.md trägt die Sidecar-Funktion vollständig
(AFJD-Regel „Sidecar-Funktion/Übergang": aus dem .v7g.md wird das .gcsig.md,
kein Informationsverlust, keine konkurrierenden Sidecars). Ab Schema
gcsig-1.4 enthält es:
| Block | Inhalt |
|---|---|
subject / sha256 |
der Ur-Doc (PDF) mit seinem SHA-256 als Beweis-Anker |
content |
die Angaben des Eigenbelegs (business-meal-receipt-1.0) |
ocr |
OCR-Volltext + TrustVector (Provenienz) |
source |
integrierte Sidecar-Metadaten: V7GUID-Taxonomie, Tenant/Kategorie, Sphäre, Ablageorte, Tags, Zweck, FZul, GCPN-Referenzen |
signature |
Zeichner, Verfahren (§ 126b BGB), Facsimile-Verweis |
phases |
Lebenszyklus als 32-Bit-BitVector: draft → presented → accepted → signed (orthogonal verified) |
Revisionssicherheit — Git-native Compliance
- Unveränderbar ist der Anker: der SHA-256 des Ur-Docs. Er ändert sich nie; jede inhaltliche Änderung erzeugt einen neuen Ur-Doc-Stand.
- Das
*.gcsig.md(wie der GCPN) ist ein mutable Container, dessen Zustandsänderungen (Phasen) durch GPG-signierte Git-Commits zu einem Audit-Ledger werden. Die reine Git-Historie genügt dabei nicht (force-push möglich) — daher die Signatur über den Commit/ das GCSIG. - Änderungen am Eigenbeleg-Inhalt sind damit nachvollziehbar; der jeweils signierte Stand bleibt in der Historie erhalten.
Beispiel (Serie: fiktive Organisation KMU)
Der Geschäftsführer von KMU bewirtet nach einer Fachmesse einen Vertreter
eines Fachverlags, um eine mögliche Veröffentlichung zu besprechen. Der
Gaststättenbeleg über 59,80 € wird gescannt; über OCR wird die Belegart
BUSINESS_MEAL_RECEIPT erkannt. Der Eigenbeleg wird als *.gcsig.md erzeugt
(Teilnehmer, Anlass „Fachmesse — mögliche Veröffentlichung", Höhe, Sphäre
ideell, ohne Vorsteuerabzug, Verbuchung als Aufwendungsersatz) und dem
Geschäftsführer zur Zeichnung vorgelegt.
Werkzeuge
| Werkzeug | Aufgabe |
|---|---|
gc-sidecar scan |
Ur-Doc erfassen (SHA-256), OCR-Text + Trust ermitteln |
gc-sidecar detect |
Belegart aus dem OCR-Text erkennen (regelbasiert) |
gc-docsign gcsig |
*.gcsig.md erzeugen/einbetten (--content, --ocr, --source, --facsimile) und Phasen setzen |
Bezug
- Rechtsgrundlagen: § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 7 EStG; R 4.10 EStR; BMF 19.11.2025; GoBD (BMF 28.11.2019).
- Signatur/Sidecar: siehe GCBoK, Teil VI (Digital Signage) — GCSIG und der
Übergang
.v7g.md→.gcsig.md. - Belegordnung: ED06.